Was würde ich bedauern, wenn ich morgen sterben würde?

Wenn ich vom heutigen Tag aus meine Vergangenheit betrachte, gibt es natürlich das eine oder andere, was ich aus heutiger Sicht anders gemacht hätte. Wahrscheinlich geht es Ihnen da ähnlich, oder? Dennoch ist für mich entscheidend, was ich aus dem bisher Erfahrenen lerne, was mir gut gelungen ist, was ich in Zukunft anders machen würde und was es zu vermeiden gilt.

 

Sterben und Tod ist ein Kapitel, das in unserer Gesellschaft eher ausgeschlossen wird, dennoch gehört es zum Leben. Eine meiner persönlichen Lebensmaxime ist: „Wenn ich sterbe und auf mein Leben zurückblicke, möchte ich möglichst nichts bedauern (müssen).“ In diesem Zusammenhang bin ich der Frage nachgegangen, was wir von Sterbenden lernen können? Denn auch sie können wichtige Lehrmeister für uns sein. Zugegebenermassen ist das etwas „harter Tobak“, aber andererseits ist es auch sehr befreiend und heilsam, sich damit zu beschäftigen…

Was können wir von Sterbenden lernen?

Die bekannte Schweizer Sterbeforscherin, Elisabeth Kübler-Ross, beobachtete, dass es beim Sterben verschiedene Phasen gibt. Sie unterschiedet dabei: von der ersten Phase, die meistens mit einem Verleugnen und Abstreiten einhergeht bis zur von 5. Phase, in der eine Zustimmung stattfindet.

 

Bronnie Ware, eine Australierin, hat in ihrem Leben viele Sterbende in deren letzten Lebensabschnitt begleitet. In Gesprächen mit ihnen tauchten bestimmte Themen immer wieder auf. Zentral war u.a. die Frage, was sie (die Sterbenden) bedauern. Sie hat einen Bestseller geschrieben, “The Top Five Regrets of the Dying – A Life Transformed by the Dearly Departing“, über den sie auf ihrem Blog vor ein paar Jahren berichtet hat. Diese fünf Dinge, die die befragten Sterbenden am meisten bedauert haben bzw. anders gemacht hätten, möchte ich heute gerne mit Ihnen teilen.

Die fünf häufigsten Dinge, die Sterbende bereuen

1. „Ich wünschte, ich hätte ein Leben gelebt, dass mir gemäss gewesen wäre  und nicht ein Leben basierend auf den Erwartungen der Anderen!“

Das war der Punkt, der am häufigsten bedauert wurde: Wenn Menschen realisieren, dass sich ihr Leben dem Ende zuneigt, ist es einfach zu sehen, wie viele Träume unerfüllt geblieben sind. Die meisten der Sterbenden berichteten, dass sie nicht einmal die Hälfte ihrer Träume verwirklicht haben. Und so mussten sie mit der Gewissheit sterben, dass sie manche Träume, aufgrund gewisser Entscheidungen, die sie gefällt haben, nicht erfüllt haben.

2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“

„Dieser Satz kam von jedem männlichen Patient, den ich in den Tod begleitet habe. Sie bedauerten, die Kindheit ihres Nachfahren und die Gesellschaft ihrer Partner verpasst zu haben. Die Männer, die ich gepflegt habe, bereuten zutiefst so viel Zeit ihres Lebens in den Tretmühlen der Arbeitswelt verbracht zu haben. Frauen äusserten dieses Bedauern auch, aber weil die meisten von ihnen einer älteren Generation angehörten, war das nicht so häufig, da nur wenige von ihnen voll erwerbstätig gewesen sind.“, so Bronnie Ware

3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle zu zeigen“

Viele Menschen haben ein Leben lang ihre Gefühle, um des lieben Friedens und der Harmonie willens, unterdrückt. Was dazu führte, dass sie sich mit einem mittelmässigen Dasein zufrieden gaben und sie sich nie zu jenem Menschen entwickeln konnten, der sie von ihrem Potential her hätten sein können. Ich denke, viele Krankheiten sind auf diese Verbitterung und Unzufriedenheit zurückzuführen, die sie deshalb in sich trugen.

4. „Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten!“

Häufig erkannten die Sterbenden erst in ihren letzten Wochen, wie wertvoll ihren alte Freunde waren. Viele von ihnen waren von ihrem Leben dermassen eingespannt, dass sie ihre Freundschaften über Jahren hinweg vernachlässigt hatten und zu dem Zeitpunkt als ihnen das klar wurde, war es manchmal nicht mehr möglich die alten Freunde wieder aufzufinden. Das verursachte bei ihnen ein tiefes Bedauern, denn jeder vermisst seine Freunde zum Zeitpunkt des Todes.

5. „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein!“

Erstaunlicherweise ist das eine häufig getroffene Aussage. Viele Menschen realisieren erst am Ende, dass das Glücklichsein eine persönliche Wahl ist. Sie blieben in alten Mustern und Gewohnheiten gefangen. Die Angst vor Veränderung brachte sie so weit, im Rahmen vieler Jahre, ihrem Umfeld und auch sich selber vorzugaukeln, dass sie zufrieden mit ihrem Leben seien. Obwohl sie sich tief in ihrem Inneren danach sehnten, von Herzen zu lachen oder auch Unbeschwertheit und albern-sein in ihr Leben zu lassen.

Und was können wir daraus ziehen?

Die folgenden Schlussfolgerungen zog Bronnie Ware aus den fünf oben aufgeführten Punkten.

  • Zu 1) Es ist sehr wichtig, dass wir versuchen wenigstens einige unserer Träume umzusetzen. In dem Moment, wo wir unsere Gesundheit verlieren, ist es zu spät. Gesundheit bringt uns eine Freiheit, die nur wenige als Freiheit wirklich realisieren.
  • Zu 2) Indem Sie mehr Raum in Ihrem Leben schaffen, werden Sie glücklicher und offener gegenüber neuen Möglichkeiten, nämlich genau solchen, die zu Ihrem (eigentlichen) Lebensstil passen.
  • Zu 3) Wir können die Reaktion der Anderen nicht kontrollieren. Auch wenn andere Menschen zuerst negativ darauf reagieren, wenn wir uns verändern, am Ende wird sich die Beziehung verändern. Und dabei bestehen die folgenden Möglichkeiten: entweder sie begibt sich auf ein neues, gesünderes Level oder die ungesunde Beziehung wird aus Ihrem Leben verschwinden. So oder so werden Sie gewinnen.
  • Zu 4) Für jeden, der ein sehr beschäftigtes Leben führt ist es normal, dass es schnell passiert Freundschaften zu vernachlässigen. Wenn man mit dem Tod konfrontiert wird, verlieren manche Details an Bedeutung. In den letzten Wochen reduziert sich das Leben auf die beiden Themen „Liebe und Beziehungen“.
  • Zu5) Wenn wir auf dem Totenbett liegen, rückt das, was andere möglicherweise von uns denken, in weite Ferne. Wie schön wäre es, wenn wir lange bevor wir gehen müssen, loslassen können, Spass haben und lachen.

 

Hm, das bringt es gut auf den Punkt, oder? Ihre persönlichen Schlussfolgerungen überlasse ich Ihnen.

 

© 2014 text by Cordula Mezias, inspiriert von Bronnie Ware, Bild Bronnie Ware