Umgang mit dem Ego

Gibt es einen gesunden Umgang mit dem Ego? Muss ich mein Ego abtöten?

Das Thema „Ego“ ist häufig bei spirituell ausgerichteten Menschen ein sehr schwieriges Thema. Von vielen Seiten werden wir aufgefordert unser Ego abzulegen. Häufig heißt es sogar, wir sollten das Ego zerstören. Der bekannte spirituelle Lehrer, Osho, schrieb zum Beispiel: „Der Tod des Egos wird der Beginn deines wahren Lebens sein.“ Die Frage ist, geht das überhaupt? Um diese Frage beantworten zu können ist es hilfreich sich ein bisschen mit dem Ego und dem wahren, göttlichen Selbst zu beschäftigen.

Wo liegt unser Ursprung?

Unser Ursprung liegt in der göttlichen Kraft, der Quelle von allem-was-ist. Irgendwann einmal kam das Große-Ganze auf die Idee, sich in Vielfallt erfahren zu wollen. Doch um das tun zu können, brauchte es eine Trennung bzw. Aufspaltung aus der All-Einheit heraus.

Unser unsterblicher und unser sterblicher Anteil

Das Thema „Ego“ ist häufig bei spirituell ausgerichteten Menschen ein sehr schwieriges Thema. Von vielen Seiten werden wir aufgefordert unser Ego abzulegen. Häufig heißt es sogar, wir sollten das Ego zerstören. Der bekannte spirituelle Lehrer, Osho, schrieb zum Beispiel: „Der Tod des Egos wird der Beginn deines wahren Lebens sein.“ Die Frage ist, geht das überhaupt? Um diese Frage beantworten zu können ist es hilfreich sich ein bisschen mit dem Ego und dem wahren, göttlichen Selbst zu beschäftigen.

Wo liegt unser Ursprung?

Unser Ursprung liegt in der göttlichen Kraft, der Quelle von allem-was-ist. Irgendwann einmal kam das Große-Ganze auf die Idee, sich in Vielfallt erfahren zu wollen. Doch um das tun zu können, brauchte es eine Trennung bzw. Aufspaltung aus der All-Einheit heraus.

Unser unsterblicher und unser sterblicher Anteil

Als Menschen besitzen wir also einen unsterblichen und einen sterblichen Anteil. Der unsterbliche Anteil wird häufig mit wahrem Selbst, göttlichen Selbst, Lichtfunkte genannt. Unser Körper, unser Ego, unsere Gedanken und Gefühle, die zum Körper bzw. Ego gehören, sind vergänglich und werden somit dem sterblichen Anteil zugerechnet. Das ist ja soweit nichts Neues.

Der Mensch im unerwachten Zustand

Von einem unerwachten Zustand können wir sprechen, wenn der Egogeist uns dominiert. Das Ego ist gekennzeichnet durch Zerstücklung, Teilung und Bewertung. Es erzählt uns mehr oder weniger die ganze Zeit, wie wir selber, das Leben und die Welt eigentlich sein sollten. Das Ego meckert auf eine gewisse Weise ständig herum. So hält es uns beschäftigt und sichert sein Überleben.

 

Der Egoverstand vergleicht sich in einem hohen Maße mit Anderen. Dabei wählt er gerne die aus, die „besser“ sind als wir selber oder die das, was er sich wünscht, schon erreicht haben. In so einem Zustand können Gefühle wie Neid, Missgunst, Wut, Ohnmacht und Habgier vorherrschen. Wenn unserem Ego also etwas an unserem Leben, unserem Aussehen, unserer Arbeit nicht gefällt, kann es uns das Leben buchstäblich zu Hölle machen.

 

Eine starke Egodominanz kann sich ebenfalls als stark ausgeprägter Egoismus zeigen. Steht nur die eigene Person im Fokus, kommt es schnell zu einer inneren Haltung: „Nur ich bin wichtig.“ „Ich komme immer zuerst.“ „Aus dem Weg, jetzt komme ich.“ etc.

 

Wird der immaterielle, geistige, höherer Aspekt unseres Seins vernachlässigt bzw. ignoriert, kann das zur extremen Fokussierung auf das Materielle führen. Dadurch entsteht eine grosse Abhängigkeit, da der Wert der eigenen Person und des eigenen Lebens daran gemessen wird, wie viel Materie da ist oder eben nicht. Zeigen kann sich die oben erwähnte Vernachlässigung auch in einer überstarke Fokussierung auf Körper- bzw. Jugendlichkeitswahn, grosse Anhäufung von Besitztümern mit gleichzeitiger Unzufriedenheit. Das Auto oder Haus muss immer grösser werden, der Urlaub immer luxuriöser – und wir haben das Gefühl, das Erreichte ist nie genug.

 

Ist bei einem Menschen der Zugang zur geistigen Identität durch bestimmte Erlebnisse oder karmische Blockarden stark eingeschränkt oder blockiert, so flüchtet der Mensch sich in Traumwelten, Drogen, das Internet oder neigt dazu, sich mit der Materie zu identifizieren. Sind wir andererseits zu extrem auf Spiritualität, kann es passieren, dass wir uns selber oder unseren Körper vernachlässigen und so in eine Unausgewogenheit kommen.

Wie passiert Individualisierung bzw. Egodominanz?

Damit wir uns als Einzelwesen erfahren können, brauchte es wie diskutiert Individualisierung. Wie passiert diese Individualisierung in unserem Sein? Basierend auf Erkenntnissen von Ramana Maharshi, einem selbstrealisierten indischen Weisen, steigt der sogenannte Ichgedanke in uns auf. Der Ichgedanke drückt die Identifikation mit dem Körper, mit Erfahrungen, Konzepten, den Vorstellungen über uns und die Welt aus. Je mehr wir uns mit den aufsteigenden Egogedanken, Konzepten und Vorstellungen wie es sein müsste identifizieren, desto mehr sind wir im Ego gefangen.

Welche Seins-Zustände hat das wahre Selbst?

Eigentlich IST das wahre Selbst nur, d.h. es – was sich schlecht in Worte fassen lässt - ist Stille. Versuchen wir das Selbst fassbar zu machen, sind seine Seins-Zustände gekennzeichnet durch: unbegrenzte, bedingungslose Liebe, Freude, Frieden, Freiheit und Ganzheit. Dieser Aspekt von uns kennt keine Zeit, keinen Raum, keine Trennung. Alles im Leben entsteht durch mit in der Verbindung mit dem Kosmos.

 

Wenn wir ein spirituelles Weltbild haben, wissen wir dann zwar theoretisch, dass wir einen unsterblichen Anteil in uns haben, die Frage ist nur, wie bringen wir den in den Vordergrund?

Ausgewogenheit zwischen Selbst und Ego

Viele spirituelle Lehrer und Autoren haben über die Ausgewogenheit von Ego und (wahrem) Selbst geschrieben. Jiddu Krishnamurti, ein indischer Philosoph und spiritueller Lehrer, schrieb dazu: "Das Ego kann einen edlen Zweck wählen und ihn als Mittel seiner eigenen Ausdehnung benutzen.“ Eckhart Tolle, ein bekannter spiritueller Autor, meinte: „Der Verstand an sich ist nicht gestört. Er ist ein wunderbares Werkzeug. Die Störung beginnt, wenn du dein Selbst in ihm suchst und ihn fälschlicherweise für das hältst, was du bist. Dann wird er zum Ego-Verstand und übernimmt die Macht über dein ganzes Leben.“ Sehr passend drückte es der buddhistische Mönch und Schriftsteller, Thich Nhat Hanh aus: „Meinst du, du könntest den Sonnenschein von der grünen Farbe der Blätter trennen? Eben so wenig kannst du das beobachtende Selbst trennen von dem beobachteten Selbst.“

Was machen wir also mit dem Ego?

Im Prinzip geht es um die Frage, was die wahrnehmbare Führung in uns übernimmt. Während wir leben haben wir die Chance, alles an den richtigen Platz in unserem Leben zu stellen und zu realisieren, was in uns immer schon klar war. Sind wir erwacht oder selbstrealisiert, dann wissen, fühlen und leben wir, was das Wahre und was die Illusion ist. Auf dieser Basis lassen sich das Leben und der Moment ganz neu und frei geniessen.

 

Stellen wir unser Ego in den Dienst des Grossen-Ganzens bzw. unter den göttlichen Willen, erfährt unser Ego immer wieder die notwendige Transformation und Reinigung. Wir können beide Aspekte unseres Selbst und das Ego, in einer ausgewogenen Form leben. Tun wir das, nutzen wir die uns innewohnenden Kräfte für uns, die Menschen und die Ganzheit/ das Göttliche. Ein Mittel, um das zu erreichen, ist eine regelmässige spirituelle Praxis und Meditation. Oder wie der spirituelle Lehrer, Jiddu Krishnamurti, passend meinte: "Meditation ist das Reinigen des Geistes und Herzens vom Egoismus; durch diese Reinigung entsteht das richtige Denken, das allein den Menschen vom Leid befreien kann."

Schlussbemerkung

Um die eingangs gestellt Frage zu beantworten, ob wir unser Ego abtöten können? Je nach spiritueller Richtung und Schule wird davon ausgegangen, dass wir mit der Selbstrealisation kein Ego mehr haben, was als Egotod bezeichnet wird. Ich verstehe es so, dass es die Illusion des Egos zu überwinden gilt. Auch im Prozess der Selbstrealisation haben wir weiterhin eine Persönlichkeit.

© 2013 text by Cordula Mezias, revidiert 1.3.18. Das Copyright und die kommerzielle Nutzung verbleiben bei der Autorin. Foto: iStock